Bis 8.9.2024 verlängert: Welche Emotionen löst die Diagnose Krebs aus? Überwiegt die Angst oder spielen auch andere Gefühle wie Wut und Scham oder Hoffnung und Zuversicht eine Rolle? Das thematisiert die Ausstellung „Da ist etwas. Krebs und Emotionen“ des Berliner Medizinhistorischen Museums (BMM) der Charité, die wir immer noch gemeinsam besuchen wollen.

Krebs löst Angst aus. Daran haben die Erfolge der modernen Krebsmedizin nichts geändert. Denn Krebs entsteht unbemerkt im oder am eigenen Körper als existentielle Bedrohung. Die Ausstellung DA IST ETWAS. Krebs und Emotionen geht diesen Gefühlen nach.

Wer Interesse an einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung hat, schreibt bitte an shg@selbsthilfe-hautkrebs.de. Näheres auch beim nächsten Treffen am 6.2.2024.

Anhand von kulturhistorischen Exponaten, wissenschaftlichen Objekten und interaktiven Medienstationen sowie Filminterviews wird auch sichtbar gemacht, wie stark Gefühle durch gesellschaftliche Normen und Moralvorstellungen geprägt sind. Der Rundgang veranschaulicht diesen Wandel und lädt ein, auch über eigene Gefühle und deren kulturelle Prägung nachzudenken.

© Charité | Sabine Gudath

Prof. Dr. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité: „Mit ‚Krebs‘ fährt ein Schreck in die Knochen. Für die Betroffenen ist die Diagnose oft ein Urteil. Für die Medizin ist das Krankheitsbild eine Zumutung. Die Ausstellung ergänzt die Betrachtung der Organe um das Entscheidende: die Erschütterung, das Erleben und das Leben mit der Krankheit.“

Sechs Ausstellungsmodule betrachten verschiedene Einzelfragen. So wird beispielsweise gefragt, warum den Patient:innen (BRD und DDR) noch in den 1970er Jahren die Krebsdiagnosen gar nicht mitgeteilt wurden. Ebenso wird thematisiert, in welcher Weise die immer erfolgreicheren Krebstherapien die Gefühle gegenüber Krebs verändert haben. Anschließend mündet die Ausstellung in drei Stationen mit verschiedenen Interviews. Dabei kommen Patient:innen, Angehörige und Pflegekräfte ebenso zu Wort wie Onkolog:innen, Psychoonkolog:innen und Mitarbeitende aus der Krebsberatung. Sie sprechen über das „Geheiltwerden von Krebs“, über das „Leben mit Krebs“ und über das „Sterben an Krebs“. Die Interviews vermitteln zeitgenössische Sichtweisen zu Krebs und Emotionen und eröffnen darüber hinaus Perspektiven in die Zukunft.

Online-Version der Ausstellung

Für alle Interessierten, die nicht ins BMM kommen können, gibt es die digitale Version der Ausstellung unter https://krebs-und-emotionen.de.

Statements zur Ausstellung „DA IST ETWAS. Krebs und Emotionen“

Gerd Nettekoven, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Deutsche Krebshilfe: „Die Gründung der Deutschen Krebshilfe – im Jahr 1974 – fiel in eine Zeit, in der mit Krebs weitestgehend tabuisierend umgegangen wurde. Eines der wichtigsten Anliegen unserer Organisation war es daher auch, zur Entstigmatisierung von Krebs in der Gesellschaft beizutragen. Ich bin überzeugt, dass die Ausstellung – deren Zustandekommen wir als Deutsche Krebshilfe finanziell gerne unterstützt und gefördert haben – das Bewusstsein für einen offenen Umgang mit der Erkrankung Krebs weiter schärfen wird.“

Dr. Johannes Bruns, Mitglied des Stiftungsvorstands der Deutschen Krebsstiftung: „Gerade bei Krebs hat die Art und Weise, wie sich Behandler:innen gegenüber ihren Patient:innen verhalten und mit ihren Emotionen umgehen, entscheidenden Einfluss auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen und damit auch auf den Behandlungserfolg. Diese Ausstellung schärft den Blick für die Gefühle im Umgang mit der Erkrankung Krebs im Wandel der Zeiten. Wer in der Onkologie tätig ist, sollte sie auf keinen Fall verpassen.“

Prof. Dr. Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie: „Eine gute und umfassende Krebsbehandlung besteht heute nicht nur aus Hightech-Präzisionsmedizin, sondern muss vor allem auch die vielfältigen Emotionen und Belastungen berücksichtigen, die eine Krebsdiagnose bei allen Beteiligten auslöst: Bei den betroffenen Patienten und ihren Angehörigen, bei ihrem gesamten Lebensumfeld, aber auch beim Behandlungsteam.”

Privatdozentin Dr. Bettina Hitzer, Medizinhistorikerin, Initiatorin und wissenschaftliche Beraterin der Ausstellung: „Gefühle galten lange als ahistorisch. Heute hat man erkannt, wie stark Gefühle kulturell geprägt und damit historisch wandelbar sind. Diese Erkenntnis wirft ein völlig neues Licht auf die Geschichte von Krankheiten wie Krebs. Gefühle spielten hier eine wichtige, bislang aber viel zu wenig beachtete Rolle. Der Blick zurück in diese komplexe Vergangenheit eröffnet zugleich Perspektiven für den gegenwärtigen Umgang mit Krebs.”

Die Ausstellung wird von der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsstiftung gefördert und ist noch bis September 2024 zu sehen.

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