Dr. Claas Ulrich im RBB: Hautkrebs-Früherkennung darf nicht zum Luxus werden
Eine bessere Bezahlung von niedergelassenen Hautärzten und eine risikoadaptierte Vorsorge statt der geplanten Einschränkung des Hautkrebssreenings fordert der frühere Leiter des Hauttumorzentrums der Charité Dr. Claas Ulrich im RBB: „Bezahlt uns doch einfach wie Handwerker.“

Die Zahl der Hautkrebserkrankungen steigt, gleichzeitig finden gesetzlich Versicherte oft nur schwer einen Termin für ein Hautkrebs-Screening (HKS). Im Gespräch mit rbb24 erklärt der Berliner Dermatologe Dr. Claas Ulrich, dass dies weniger an einem grundsätzlichen Mangel an Hautärztinnen und Hautärzten liegt als an einer ungleichen Verteilung und an der unzureichenden Vergütung medizinischer Vorsorgeleistungen. Für ein Screening zahlten die Krankenkassen durchschnittlich etwa 30 Euro – zu wenig, um eine sorgfältige Untersuchung und den Praxisbetrieb angemessen zu finanzieren. Wirtschaftlich attraktivere Selbstzahlerleistungen verdrängten deshalb zunehmend die klassische dermatologische Versorgung.
Besonders kritisch sieht Dr. Ulrich die geplanten Einschränkungen beim Hautkrebs-Screening. Die Zahl der Hautkrebsfälle habe sich innerhalb von 20 Jahren nahezu verdoppelt. Auch stationäre Behandlungen und Todesfälle hätten zugenommen. Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zeigten zudem, dass ausgefallene Früherkennungsuntersuchungen zu später erkannten und schwerer behandelbaren Tumoren führen können. Prävention sei daher keine vermeidbare Ausgabe, sondern eine Investition, die Leid verhindert und langfristig Behandlungskosten senkt.
Besonders bitter ist: Vor 20 Jahren hatten wir viele der modernen Medikamente gegen fortgeschrittenen Hautkrebs noch gar nicht. Heute haben wir Therapien, die die Überlebenschancen erheblich verbessern. Trotzdem sterben mehr Menschen an Hautkrebs als damals. Das darf eigentlich nicht passieren. Deshalb müssen wir dringend darüber reden, wie wir Vorsorge, Früherkennung und Sonnenschutz, aber auch eine wirkliche Chancengleichheit in unserem flächendeckenden Therapieangebot weiter stärken, statt sie zurückzufahren.
Dr. Claas Ulrich war langjähriger Oberarzt und Leiter des Hauttumorcentrums der Charité. Auch mit der Selbsthilfe Hautkrebs Berlin bestand eine gute Zusammenarbeit. Seine deutliche Forderung bleibt aktuell: Statt die Vorsorge zurückzufahren, müssen Früherkennung, Sonnenschutz und ein gerechter Zugang zur dermatologischen Versorgung gestärkt werden.
Auf RBB24 nachlesen: „Hautkrebs-Screening: Bezahlt uns doch einfach wie Handwerker“
(Leider hat der RBB in dem Beitrag einen falschen O-Ton hinterlegt. Darin geht es um die Hautkrebs-Screening im Prinzenbad vor einigen Tagen)
awi





