Highlights des kommenden Hautkrebs-Kongresses in Essen: Interview mit Prof. Schadendorf
Am 10.09.2025 startet der Deutsche Hautkrebskongress in Essen. Unser Dachverband, das Hautkrebs-Netzwerk Deutschland ist mit einem Stand vertreten und wird am Samstag beim Patientenforum dabei sein. Hier ein Interview mit dem Tagungspräsidenten Prof. Dr. Dirk Schadendorf.
Highlights beim Deutschen Hautkrebskongress in Essen
Beim 35. Deutschen Hautkrebskongress treffen sich vom 10. bis 13. September 2025 über 1000 Expertinnen und Experten in Essen zu einem aktuellen Erfahrungsaustausch. Wie kann Hautkrebs früh genug erkannt und geheilt werden? Welche neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und wie können wir uns noch besser vor den schädlichen UV-Strahlen der Sonne schützen?
Alle Informationen sowie das Tagungsprogramm unter: www.ado-kongress.de
Der Deutsche Hautkrebskongress ist eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Er ist der wichtigste deutschsprachige Kongress zu dermatoonkologischen Themen. Die Selbsthilfeorganisationen der Hautkrebsbetroffenen sind natürlich mit dabei. Mehr dazu beim Hautkrebs-Netzwerk Deutschland.
Prof. Dr. Dirk Schadendorf, der gemeinsam mit Prof. Dr. Elisabeth Livingstone, Prof. Dr. Selma Ugurel und Prof. Dr. Lisa Zimmer, Universitätsklinikum Essen die wissenschaftliche Tagungsleitung hat, gibt vorab Einblicke in Tagungsschwerpunkte und Kongress-Highlights.
Das Kongress-Programm ist wieder umfassend. Welche besonderen Schwerpunkte haben Sie dieses Jahr in Essen gesetzt? Was sind die Top-Themen?

Prof. Schadendorf: Neben inhaltlichen Schwerpunkten wie Leitlinien- und Studienupdates von Hauttumoren, aktuellen Behandlungsangeboten zu neo- und adjuvanten Therapien sowie Auswertung von Daten aus der Versorgungsrealität stehen auch wissenschaftliche Fragen zur Bedeutung des Mikrobioms für Krankheits- und Behandlungsverlauf sowie der Integration digitaler Technologie im Mittelpunkt des Kongresses. Dies wird durch internationale Sprecher und eine Vielzahl von Symposien und Workshops inhaltlich vertieft und diskutiert.
Ein wichtiger Schwerpunkt sind neuartige Immuntherapien und innovative Therapiekonzepte beim Melanom. Welche neuen Entwicklungen gibt es neoadjuvant – wenn also schon im Vorfeld einer operativen Entfernung behandelt wird, um den langfristigen Verlauf zu verbessern?
Prof. Schadendorf: Neben der etablierten Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren bei allen Hauttumoren in unterschiedlichen Krankheitsphasen nimmt derzeit die Diskussion zum Stellenwert der neoadjuvanten bzw. perioperativen Immuntherapie sowohl beim Melanom als auch beim kutanen Plattenepithelkarzinom zu. Die wissenschaftlichen Daten sprechen dafür, dass ein Beginn einer Checkpointblockade mit bestehendem Tumor immunologisch vorteilhaft ist, und erste klinische Studien im Stadium III des Melanoms deuten auch auf eine verbesserte Tumorkontrolle hin im Vergleich zu einer adjuvanten Therapie. Ob eine neoadjuvante Therapie d.h. Checkpointblockade vor Resektion des Tumors ausreichend ist oder ob die Systemtherapie postoperativ fortgesetzt werden sollte, ist derzeit nicht geklärt und bedarf weiterer Studiendaten.
Welche weiteren innovativen Entwicklungen werden diskutiert? Sind in Europa schon Zelltherapien zugelassen? Wenn ja – für welche Patienten?
Prof. Schadendorf: Eine Reihe weiterer innovativer Immuntherapieverfahren befinden sich in der klinischen Prüfung zumeist bei fortgeschrittenen und PD1-therapierefraktären Behandlungssituationen der Melanomerkrankung. Hierzu zählen sowohl bispezifische Antikörper als auch zelluläre Therapieverfahren und eine neue Generation onkolytischer Viren. Erste Studienergebnisse deuten auf eine gute Wirksamkeit hin, die allerdings auch mit neuartigen Nebenwirkungen verknüpft ist. Aktuell gibt es derartige Therapieansätze nur im Rahmen klinischer Studien, da bislang keine Zulassung in Europa vorliegt.
Ein wichtiges Thema wird Künstliche Intelligenz sein. Gibt es Weitentwicklungen beim Einsatz von KI in der Derma-Onkologie? In welchen Bereichen ist sie sinnvoll anzuwenden?
Prof. Schadendorf: Künstliche Intelligenz in der Medizin ist aktuell – und wohl auch zukünftig – ein besonders spannendes und dynamisches Feld der Entwicklung. Dies umfasst einfache Hilfstätigkeiten wie zum Beispiel die Arztbriefschreibung und auch Unterstützung bei der Bereitstellung von relevanten Informationen für den Arzt am Point-of-Care wie etwa Leitlinien oder Mutationen und deren potentielle prognostische und therapeutische Relevanz nach molekularer Analyse. Aber auch die Entwicklung neuer Algorithmen zur Analyse radiologischer, histopathologischer oder dermatologischer Befunde und Bilder sowie deren Integration in den Alltag werden die medizinische Tätigkeit in den nächsten Jahren gravierend verändern. Die Dynamik hier ist ausgesprochen hoch. In den meisten Geräten der visuellen Hautläsionenanalyse sind solche Algorithmen bereits hinterlegt und das erste Dermatoskop mit KI-Unterstützung kommt gerade auf den Markt.
Wie kommt es, dass es trotz immenser Behandlungsfortschritte jedes Jahr mehr Hautkrebserkrankungen gibt? Ein aktuelles Thema ist Hautkrebs im Zeichen des Klimawandels. Könnte es Zusammenhänge geben?
Prof. Schadendorf: Behandlungserfolge führen dazu, dass die Zahl von Hautkrebsüberlebenden ständig steigt. Ein Phänomen, das wir nicht nur in Deutschland sehen. Weitere Gründe für steigende Zahlen von Personen mit Hautkrebserkrankung sind aber auch die zunehmende Alterung der Bevölkerung und damit das Erleben der Hautkrebserkrankung und die nach wie vor steigende Anzahl von Hautkrebserkrankungen, die jedes Jahr neu diagnostiziert werden – ca. 350.000 Neuerkrankte pro Jahr in Deutschland aktuell. Die steigenden Zahlen sind die Folgen der Sonnenexposition in den letzten Jahrzehnten und des Freizeitverhaltens. Die Auswirkungen des Klimawandels sind im Augenblick noch nicht sicher abschätzbar in Bezug auf Hautkrebsinzidenzen. Sicher jedoch ist, dass Anstrengungen hinsichtlich Prävention und Früherkennung insbesondere bei Risikopersonen intensiviert werden müssen.
Was sind für Sie persönlich die besonderen Kongress-Highlights?
Prof. Schadendorf: Der Deutsche Hautkrebskongress ist trotz seiner Größe und mehr als 1.000 Teilnehmern immer noch ein Treffen mit vielen Bekannten und Diskussionen auf hohem Niveau. Ich freue mich auf persönliche Begegnungen und spannende Einblicke insbesondere beim Verständnis biologischer Grundlagen und deren Übertragung in diagnostische und therapeutische Ansätze zum Nutzen unserer Patienten, die immer im Mittelpunkt unserer Bestrebungen stehen.
Quelle: Presseinfos zum ADO-Kongress 2025