In unseren Selbsthilfegruppen erleben wir häufig, dass ein zu spät erkannter Hautkrebs schnell zu Metastasierungen und großem Leid führen kann. Deshalb werden wir die Abschaffung des kostenlosen Hautkrebsscreenings nicht hinnehmen, sondern für eine Verbesserung kämpfen.

Sparen am falschen Ende, denn Hautkrebsscreening kann Leben retten

Das kostenlose Hautkrebsscreening steht ganz oben auf der Liste des Streichkonzertes, das die Bundesregierung zur finanziellen Rettung des Gesundheitswesens angestimmt hat. Gesundheitsministerin Warken schlägt vor, das gesetzliche Hautkrebsscreening auszusetzen oder ganz zu streichen, um Kosten zu senken.

Wir Patient:innen und Angehörige von Betroffenen, aber auch die Fachgesellschaften, Ärzt:innen und Krankenkassen warnen vor einer Abschaffung, da das Screening schwere Verläufe und Behandlungskosten reduzieren kann.

Wir müssen die Teilnahme verbessern und Risikogruppen ansprechen

Leider wird das Hautkrebsscreening zu wenig in Anspruch genommen, nur etwa ein Drittel der Anspruchsberechtigten nutzen es durchschnittlich. Anders als z.B. beim Brustkrebs gibt es auch keine Einladung der Risikogruppen, was die Beteiligung erhöhen und unnötige Screenings vermeiden könnte.

Bei einem erhöhten Risiko (z. B. viele Muttermale, familiäre und berufliche Vorbelastung, Immunsuppression, heller Hauttyp) könnte man engmaschig dermatologisch kontrollieren mit Auflichtmikroskopie und ggf. digitaler Verlaufskontrolle. Eine bessere Schulung der Hausärzte, strukturierte Einladungen, stärkere Aufklärung zur Selbstbeobachtung sowie die Nutzung digitaler Tools könnten weitere Menschenleben retten.

Das Hautkrebsscreening muss überall einfach und kostenlos verfügbar sein

Schon heute hören wir vielfach, dass Anspruchsberechtigte gar keine Termine für das Hautkrebsscreening bei den Fachärzt:innen bekommen.

Es ist aus unserer Sicht nicht hinzunehmen, dass jemand, der das Screening nutzen möchte, monatelang keinen Termin erhält. Wir raten in jedem Fall dazu, bei einer verdächtigen Stelle sofort ärztliche Hilfe aufzusuchen und auf eine Untersuchung zu drängen. (Zur Einschätzung kann die ABCDE-Regel helfen) Bei unseren Selbsthilfegruppen erleben wir, dass ein zu spät erkannter Hautkrebs schnell zu Metastasierungen und großem Leid führen kann.

Hautarzttermine sind nicht nur gefühlt rar, was die Inanspruchnahme des Screenings schwer macht. Auf einer Veranstaltung der Patientenvertretung im G-BA am 17.04.26 in Erkner wurde eine repräsentative Befragung zur Gesundheitsversorgung in Deutschland vorgestellt, nach der Termine beim Dermatologen am allerschwersten zu buchen sind.

Patientenvertretung im G-BA hat eine repräsentative Versichertenbefragung in Auftrag gegeben.
Quelle: Patientenvertretung im G-BA, https://patientenvertretung.g-ba.de/

 

Online-Termin-Buchungstools sind kritisch zu bewerten

Dass es für gesetzlich Versicherte so schwer ist, einen Hautarzttermin zu bekommen, könnte auch daran liegen, dass es immer schwieriger wird, selbst per Telefon eine Arztpraxis zu erreichen. Stattdessen wird man animiert, sich per Apps oder Webportalen wie Doctolib oder Jameda einen Arzttermin zu buchen. Doch dort gibt es fast nur Selbstzahlerangebote für das Hautkrebsscreening.

Die Verbraucherzentrale kritisiert Doctolib grundsätzlich wegen mangelnder Transparenz und irreführender Ergebnisse: Nutzer bekommen teils Termine angezeigt, die nicht zu ihrer Versicherung passen oder am Ende kostenpflichtig sind. Konkret beim Hautkrebsscreening warnt die Verbraucherzentrale vor einem Trend, dass Patient:innen über solche Plattformen in kostenpflichtige Leistungen gedrängt werden, obwohl ihnen die gesetzliche Vorsorge eigentlich zusteht. Auf Jameda findet man (Stand April 2026) in ganz Berlin derzeit kein kostenloses Hautkrebsscreening, sondern es wird trotz Filter „gesetzlich versichert“ auf teure Selbstzahlangebote geleitet.

Mehr zu der Problematik unter: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/apps-und-software/arzttermin-online-buchen-mit-doctolib-und-jameda-nicht-nutzerfreundlich-106560

Wir fordern deshalb die Weiterführung des kostenlosen Hautkrebscreenings.

Was wir uns jedoch auch wünschen:

  • Ein risikoangepasstes Angebot
  • Eine lückenlose Dokumentation
  • Eine strukturierte Weiterversorgung
  • Eine bessere Ausbildung beteiligter Allgemeinmediziner

Anne Wispler. Selbsthilfe Hautkrebs Berlin