Die zielgerichtete Therapie mit BRAF-/MEK-Inhibitoren hat vielen Melanompatienten in fortgeschrittenen Stadien geholfen. Doch weil Medikamente mit teils starken Nebenwirkungen einhergehen, stellt sich auch immer die Frage nach der Dauer einer solchen Therapie. Eine neue Studie aus Dänemark hat untersucht, was passiert, wenn die Behandlung nach zwei Jahren beendet wird.

Bei Menschen mit einem metastasierten Melanom und einer bestimmten genetischen Veränderung (BRAF-Mutation) werden häufig sogenannte BRAF- und MEK-Inhibitoren eingesetzt. Diese Medikamente können das Tumorwachstum über längere Zeit wirksam bremsen. Unklar ist jedoch bisher, wie lange diese Behandlung fortgeführt werden sollte – vor allem dann, wenn die Therapie über Jahre gut wirkt. Eine neue Studie aus Dänemark hat untersucht, was passiert, wenn die Behandlung nach mindestens zwei Jahren bewusst beendet wird.

Was wurde untersucht?

Die Forschenden führten eine retrospektive (d.h. rückblickende)  Studie mit landesweiten Behandlungsdaten unter Verwendung des Danish Metastatic Melanoma Database (DAMMED) durch. Sie schloss Patienten mit metastasiertem Melanom zwischen 2014 bis 2022 ein,

  • die mindestens zwei Jahre lang BRAF-/MEK-Inhibitoren erhalten hatten und
  • bei denen sich die Erkrankung während dieser Zeit nicht verschlechtert hatte.

Anschließend wurde beobachtet, wie es den Betroffenen nach dem Absetzen der Medikamente erging.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Nur wenige Patientinnen und Patienten konnten die Medikamente überhaupt so lange einnehmen: Das traf auf etwa 7 von 100 Behandelten zu.
  • Bei 37 Personen wurde die Therapie gezielt beendet, obwohl die Krankheit stabil war.
  • Nach dem Absetzen blieb die Erkrankung im Durchschnitt noch etwa 14 Monate unter Kontrolle.
  • Etwa zwei Drittel der Betroffenen erlebten später wieder ein Fortschreiten der Krankheit, meist innerhalb des ersten Jahres.
  • Rund ein Drittel blieb jedoch auch langfristig ohne erneutes Tumorwachstum.

Ein wichtiger Unterschied zeigte sich beim Behandlungserfolg: Menschen, bei denen der Krebs zum Zeitpunkt des Absetzens nicht mehr nachweisbar war, hatten deutlich bessere Verläufe als diejenigen, bei denen noch Tumorreste vorhanden waren.

Ermutigend ist zudem: Wenn die Medikamente nach einem Rückfall erneut eingesetzt wurden, wirkten sie bei den meisten Betroffenen wieder gut.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Die Studie zeigt, dass ein Pausieren der Therapie in ausgewählten Fällen möglich sein kann. Das gilt vor allem für Menschen, bei denen die Behandlung besonders gut angeschlagen hat. Wichtig ist jedoch eine sehr engmaschige ärztliche Kontrolle, insbesondere im ersten Jahr nach dem Absetzen. Falls die Krankheit erneut fortschreitet, kann die Behandlung wieder aufgenommen werden und zeigte häufig (bei 79%) erneut Wirkung.

Kurz zusammengefasst

Ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Melanom profitiert sehr langfristig von BRAF-/MEK-Inhibitoren. Für diese Gruppe kann ein zeitweises Absetzen der Therapie eine Option sein – vorausgesetzt, die Nachsorge ist gut organisiert und ein Wiederbeginn der Behandlung ist jederzeit möglich.

Quelle: Discontinuation of BRAF/MEK inhibitor therapy after long-lasting response: Clinical outcomes in advanced melanoma Rasmus Døssing et al., European Journal of Cancer, December 2025

awi