Die Arzt-Patienten-Kommunikation, oder vielmehr das Misslingen derselben, ist ein ganz häufiges Thema in Selbsthilfegruppen. Prof. Matthias Volkenandt räumte auf dem diesjährigen Hautkrebskongress mit einigen Irrtümern über Kommunikation auf und gab sehr anschauliche Tipps für ein gelungenes Gespräch, dem vielleicht wichtigsten Instrument des Arztes.

Betrachten wir die Situation einmal aus den Augen der anderen! Auf dem diesjährigen Hautkrebskongress der ADO in Stuttgart wurde das Thema Arzt-Patienten-Kommunikation angesprochen. Hier richtete es sich an Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, die sogenannten ‚health care professionals‘ (engl.). Was dabei zur Sprache kam, ist auch für den betroffenen Patienten erhellend.

Kommunikation ist auch in der Medizin zentral

Der Referent, Prof. Dr. Volkenandt legte den Finger gleich zu Beginn auf die wunde Stelle: Das miteinander Sprechen ist zwar die häufigste ärztliche und pflegerische Handlung, Gesprächsführung wird in der medizinischen Ausbildung jedoch nicht oder nur wenig gelehrt. Und wir kennen die menschliche Schwäche, besonders schwierige Gespräche werden gerne vermieden.

Offenbar handelt es sich um einen Irrtum anzunehmen, Sprechen sei ‚Gott gegeben‘ und ganz einfach, nach dem Motto „kann doch jeder.“ Ebenso falsch anzunehmen, die Stärke der Argumente entscheide über den Erfolg oder die kommunikative Kompetenz nehme mit dem Alter und der Erfahrung automatisch zu.

Dabei bestimmt die Qualität der Kommunikation maßgeblich das Befinden der Patienten wie der Begleiter. Nur, der Patient will nicht reden, sondern gesund werden.

Also ist es für den Arzt wichtig zu unterscheiden: Ein gelungenes Gespräch hilft dem Gegenüber, dem Patienten, einerseits fachlich, andererseits emotional. Gewünschtes Ergebnis: Der Patient kann sich sagen, „ich habe die Informationen erhalten, die ich brauche.“ Und „ich bin gehört und verstanden worden.“

Gefühle wirken stärker als Inhalte

Wichtige Erkenntnis hierbei: Die emotionale Ebene dominiert die fachliche Ebene! Es sind die Gefühle, die in einem ausgelöst worden sind, die man nie vergisst. In jedem Gespräch hinterlassen wir eine Beziehungsmitteilung. Es gebietet sich folglich von Anfang an immer zu überlegen: Gehe ich auf die fachliche oder auf die emotionale Ebene?

Ängsten, Bedenken, Fragen des Patienten kontert der Arzt meistens sofort mit einer fachlichen Antwort, oft in der Form einer Entgegnung, die durch das Wörtchen „aber“ eingeleitet wird. Die schwerwiegenden Folgen sind: Der Experte hat das Problem des Betroffenen missverstanden, das Wichtigste bleibt unerwähnt, es gelingt keine sinnvolle Strukturierung, der Patient hält sich nicht an Therapie- und Behandlungsvorgaben (engl. die ‚compliance‘ bzw. ‚adherence‘ nimmt ab) und der Stress nimmt zu.

Vielleicht eine Vision: Gespräche ohne „aber“

Es mag eine Vision sein: Gespräche, in denen das Wort „aber“ fehlt. Eindringlicher Appell an den Arzt: Auf den Patienten eingehen – mit seinen Ängsten und Befürchtungen angesichts einer schlechten Nachricht! Zunächst die Sorgen des anderen ergründen, anstatt vorschnell mit wohlmeinenden Hinweisen und guten Ratschlägen zu antworten. („Vorschnelle Ratschläge sind oft nichts als Schläge.“)

Die größte Anforderung an den Mediziner: aktiv zuhören! Aktives Zuhören besteht zu allererst aus – Schweigen. Das zeigt, „ich höre dir zu.“ Ich will dich da abholen, wo du jetzt bist. Daher auch das erste Wort des Arztes: Eine Frage, z. B. „Was meinen Sie damit?“ „Wovor haben Sie Angst?“ „Wovor haben Sie am meisten Angst?“ „Wie kommt das, dass Sie das sagen?“

Die Idealvorstellung ist ein Gespräch, in dem es zu einem Austausch kommt: aktiv zuhören – Fragen – die Sorgen und Nöte des Patienten aufnehmen und dabei zurückspiegeln – schließlich der Ratschlag als Frage -„Würde Ihnen denn helfen…?“ „Manchen Menschen hilft es…“

Alle Betroffenen wollen verstanden und ernst genommen werden. Nicht Sympathie, sondern Empathie; in die Befindlichkeit hinein gehen! Z. B. „Wie geht es Ihnen denn mit der Krankheit Ihres Mannes?“.

Damit nicht mehr Fragen als Antworten bleiben

Solch ein Wechsel von Schweigen / aktivem Zuhören, Fragen und empathischer Antwort von Seiten des Arztes mag ein Gespräch beschreiben, das auch aus Sicht des Patienten als gelungen und zufriedenstellend empfunden wird. Vielleicht kommt es dann gar nicht erst zu dem Gefühl, das ich als Patient kenne: Man kommt aus der Sprechstunde bei seinem Arzt, oftmals nach längerem Warten auf einen Termin, und hat hinterher den Eindruck, es hat etwas zu wünschen übrig gelassen. Mehr Fragen als Antworten; was hat er eigentlich gesagt? Hat der Arzt mich, hab‘ ich ihn richtig verstanden?

Wie schön wäre es, wenn es sich wie ein Tanz anfühlen könnte (im Einklang miteinander) – ein Bild das gewählt wurde -, in dem ein Schritt zum anderen führt und in dem Führen und Geführtwerden sich in vollendeter Form ergänzen.

Wie bereite ich mich als Patient auf das Arztgespräch vor?

Mittlerweile gibt es auch Rat für Patienten, wie ich mich bestens auf mein Gespräch mit dem Arzt vorbereiten kann. Was gibt es zu bedenken? Welche Fragen sollte ich mir zurecht legen? Hier können Checklisten oder Videos helfen, wie z. B. von „Dr. Johannes“ auf YouTube, dessen Informationen und Anregungen oft grundsätzlicher Natur sind.

Oder ein Fragenkatalog vom Melanom Info Deutschland zur Vorbereitung auf das Arztgespräch, speziell für Melanompatienten im Stadium 3. (Fragenkatalog für das Stadium 3, pdf)

Mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema und mehr Berücksichtigung dieser Thematik auch im Medizinstudium, wie Prof. Volkenandt es mit praktischen Übungen in seinem Vortrag versucht hat, würden es den Betroffenen leichter machen.

Über den Referenten:

Prof. Matthias Volkenandt war auf dem Gebiet der Dermato-Onkologie führend und widmet sich heute der Fortbildung speziell im Bereich Arzt-Patienten-Kommunikation. Viele anschauliche Videos zum Thema finden Sie auf seiner Homepage http://volkenandt.com/

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