Eine Patientin aus unserer Selbsthilfegruppe hat uns folgendes Gedicht über ihre Sicht der Arzt-Patientenbeziehung geschrieben, vielen Dank für diesen Denkanstoß, liebe Editha!

Mein Arzt und ich, man glaubt es nicht,
wir leben jeder in seiner Welt
und dennoch auch in der gemeinsamen,
wo jeder von uns auf den Anderen zählt.

Du Arzt brauchst mich als Patient,
ich brauche dich, damit meine Krankheit mich nicht überrennt.
Dennoch passiert’s, dass wir uns nicht verstehen,
und das darf nicht so weiter gehen.
Mein Arzt und ich

Du hast das Wissen, ich fühle mich beschissen.
Du hast die Diagnose und auch einen Plan
und ich schau‘ dich mit großen Augen an.

Aber dann, oh weh, ist es geschehen,
ich kann dich gar nicht mehr verstehen.

In meinem Kopf hämmert es – ich werde sterben.
Die Krankheit wird mir mein Leben verderben.

Einsamkeit und Unwissenheit machen sich bei mir breit
und ich irre umher in totaler Unsicherheit.

Die Angst steigt hoch, ich kann immer weniger verstehen
Was kann das sein, wie soll es weiter gehen?

Mein Arzt, jetzt werde ich es dir mal sagen,
ich kann es nun wirklich auch mal wagen.

Ich möchte, dass du mich verstehst,
mit mir bitte menschlich umgehst.

Du bist am längeren Hebel
und es kommt mir vor wie ein Knebel.

Vertrauen, Offenheit und Empathie,
das ist die Basis, sonst klappt es nie.

Wenn ich mir was wünschen dürfte,
dann sei doch bitte offen
und dennoch auch ein Stück betroffen!

Dein Wissen sollten wir beide nutzen,
du müsstest es nur auf meine Sprache stutzen.

Ich brauche klare Worte und dennoch dein Verständnis;
das ist für mich wie ein Bekenntnis.

Du sollst mich nicht nur heilen,
nein, auch im offenen Gespräch verweilen.

Auf Augenhöhe soll es sein,
ansonsten fühle ich mich sehr allein.

Die Heilung macht nicht nur die Medizin. Nein,
die Beziehung Arzt : Patient muss wertvoll sein,
sonst schmeißt der Kranke alles hin
und das ergibt doch keinen Sinn.

Mein Arzt, ich danke dir, dass du dies gelesen;
ich weiß, du hast ein gutes Wesen.

Ich brauche dich, das ist ganz klar;
drum danke ich, meistens bist du wunderbar.

Höre mir zu, rede mit mir und laß mich nicht allein,
dann werden wir gute Partner sein.

Deine Patientin

Leuchtturm Warnemünde

Foto: A. Wispler